Reisetagebuch Teil V



Die Mongolei – ein Land zwischen Tradition und Moderne


Die letzten 7 Tage unserer Reise


Ein Fels mitten in der Steppe

06.07.2013

Nachdem wir wieder einmal Rocky suchen mussten, sind wir den Fluss weiter entlang gefahren, um eine Stelle zu finden, an der wir unseren geplanten Erholtag einlegen, vielleicht sogar baden, Hubert das Auto checken und ich das Reisetagebuch vervollständigen können. (Konnte wegen der schlechten Pisten in den letzten 3 Tagen nicht während der Fahrt schreiben und abends hatte ich keine Lust mehr.)

Nach etwa 10 km sind wir vor einer Brücke fündig geworden. Jetzt muss ich erst einmal Mittag kochen, denn Hubert wird langsam hungrig. Ich schreibe später weiter. 

Auto ist fertig, Tagebuch auch, Baden lassen wir wegen des heftigen Windes weg, die Yaks haben uns auch schon besucht und Hubert wird unruhig, weil er nichts zu tun hat. Also fahren wir weiter. Über eine der wenigen Asphaltstraßen.

Als Erstes fahren wir zum „Taikhar Chuluu“, einem 16 m hohem Fels, der ohne einen erklärbaren Grund, mitten in der Steppe steht. Da das sehr mysteriös ist, ranken sich schon seit Jahrhunderten Legenden um ihn und seine Entstehung und er wird als eine weitere heilige Stätte verehrt.

Die schönste Legende ist die, dass nur die stärksten Ringer, die diesen riesigen Stein heben können, am „Nadaam-Fest“ zugelassen werden. Das Nadaam-Fest ist eines der beiden großen traditionellen Feste in der Mongolei. Eines findet im Winter auf einem zugefrorenem See im Norden und das Nadaam im Sommer in der gesamten Mongolei statt.

Das Hauptfest soll dieses Mal vom 11.07. – 13.07.2013 in der Hauptstadt: Ulaan Bataar stattfinden. Zuvor sind in den einzelnen Regionen Vorausscheide, von denen die Sieger dann sich ihren Gegnern in Ulaan Bataar stellen müssen.

Da in der Hauptstadt dann so viele Menschen aus allen Ecken des Landes unterwegs sind, kann man als Unkundige gar nichts vom Fest mitbekommen. Deshalb hoffen wir, auf unserer Fahrt Zeugen von einem der Vorausscheide zu werden. 


Tsertseleg – die bunte Stadt am Hang

Wir fahren also weiter nach „Tsertseleg“ – der Stadt am Hang. Zuvor müssen wir einen Pass erklimmen, der nicht höher als andere ist, dafür aber mordsmäßig steil und wir können nur im 1. Gang fahren.

Am Ortseingang müssen wir 800 Tugrik Straßenmaut dafür entrichten. Die kleinen Häuser mit den bunten Dächern von Tsertseleg schmiegen sich tatsächlich schön in Reih und Glied am Hang hinauf.

Wir suchen wieder den zentralen Platz und entdecken dabei das uralte Kloster „Zayaiyan Khuree“ aus dem Jahre 1586, das wir uns anschauen wollen. Anfang des 20 Jhdt. sollen hier noch über 1000 Mönche gelebt haben.

Ende der 30-er Jahre – zur Stalinzeit – wurden 2 der 5 Tempelanlagen dem Erdboden gleich gemacht, der „Zaja Pandita“ (oberster Tempelherr) und Hunderte Mönche wurden getötet.

Eine Tempel-Anlage überlebte als Museum, eine als Feuerwehrhaus und der Tempel hoch am Hang nur durch seine Lage. Der Museumstempel ist öffentlich zugänglich und bis auf ein Gebäude noch im alten, unberührten Zustand. Den wollen wir uns morgen in aller Ruhe anschauen.

Auf dem Hauptplatz angekommen, suchen wir den Bank-Automaten auf, erkundigen uns nach einem Restaurant, in dem wir zu Abend essen können und finden ein Hotel im Umbau, dessen WC wir benutzen dürfen. Deshalb wählen wir einen Stellplatz in dessen Nähe und checken noch über ein freies WIFI-Netz unsere Mails.

Da sich gegen 22:00 Uhr immer mehr junge Leute auf dem Platz einfinden, verlegen wir unseren Stellplatz auf den Parkplatz vor den Klostereingang.

Kurz nach 23:00 Uhr fing es leider an zu Regnen und die jungen Leute, die erst im Park vor dem Kloster unterwegs waren, stellten sich nun im überdachten Eingang des Klosters unter.

Wieder war unsere Ruhe dahin. So wechselten wir noch einmal unseren Übernachtungsplatz. Dieses Mal lagerten wir in der Nähe des Restaurants, indem wir zuvor gegessen hatten.

Wenn Du das Leben finden willst, musst Du in Dein Inneres schauen.

(Buddha)

In den hebräischen Heiligen Schriften, im Koran, in der Bhagawadgita, im Tibetisches Totenbuch, in den Taoistische Schriften von Lao Tse, überall steht das Gleiche: Alles Umherschweifen ist sinnlos. Wenn Du Antworten auf Deine Fragen suchst, dann wirst Du sie nur in Deinem Inneren finden.


Die heißen Quellen von Tsenkher


07.07.2013

Heute wollen wir zunächst das Kloster besichtigen und warten geduldig die Öffnungszeit ab. Fast eine Stunde haben wir dann in den Tempelanlagen zugebracht und viel über das beschwerliche Leben der Leute und Mönche von damals erfahren.

Nun geht die Fahrt weiter in Richtung der „Heißen Quellen von Tsenkher“. Um auch wirklich den richtigen Weg einzuschlagen, fragen wir sicherheitshalber immer noch einmal einen Einheimischen, ob wir richtig sind, denn wir sind nur mit Karte und Kompass unterwegs – kein GPS.

Hubert hält an, als ich eine alte Frau mit zwei Eimern am Pistenrand stehen sehe. Ich frage sie, ob das der Weg zu den „Heißen Quellen“ ist, indem ich ihr die mongolischen Wörter dafür im Reiseführer zeige. Sie nickt lächelnd.

Da stellte ich fest, dass ihre Eimern voll Wasser sind und mir war klar, dass die Mongolin gerade Wasser vom Brunnen geholt hat und ihr die Eimer zu schwer wurden und sie deshalb eine Rast eingelegt hatte.

Die Eimer haben keine Griffe an den Drahtbügeln. Damit ihr die Bügel nicht in die Hände einschneiden, hält die alte Frau zwei kleine Stoff-Fetzen in den Händen.

deshalb bot ich ihr an, ihre Eimer heim zu tragen und sie nahm dankbar an. Es ging einmal rechts und einmal links um eingezäunte Häuschen, bis wir vor ihrer Jurte stehen. Hubert folgt in einigem Abstand mit dem Auto, da er gar nicht wusste, was überhaupt los war. Ich setzte die Eimer vor der Jurte ab und die Mongolin ludt uns zum Tee in ihre Jurte ein. Also habe ich Hubert hinzu gewunken. 

Wir wollten die ganze Zeit mal eine wirklich bewohnte Jurte besuchen, uns jedoch Niemanden aufdrängen und jetzt hatte es sich per Zufall ergeben. Wo es doch gar keine Zufälle gibt..(Schmunzel).

Die Frau war sehr erfreut, dass wir gerade bei ihr zu Gast waren und wir unterhielten uns mit Händen und Füßen. Sie war sehr interessiert und trotz ihres Alters geistig noch überaus rege.

Das Land um die Jurte gehört ihr und ihre erwachsenen Kinder wohnen alle in der näheren Umgebung. Ihr Mann war schon verstorben und so nutzte sie jetzt sein Bett als Couch. In der Mitte der Jurte stand der Ofen zum Heizen und Tee kochen. Zum Essen kochen stand ein Elektrokocher bereit, auch einen kleinen Fernseher besaß sie.

Die Betten stehen i.d.R. links und rechts am Jurten-Rand. Zwischen ihnen stehen drei Kommoden mit ihren Wertsachen und einem kleinen Altar. Sie war Buddhistin und so fehlte auch nicht das Bild vom Dalai Lama. Die freundliche Frau erlaubte uns ein paar Fotos zu machen und nach einer Weile begleitete sie uns zum Abschied noch zum Auto.

Wir nahmen unsere Fahrt zu den „Heißen Quellen“ wieder auf. Es ging über Pisten querfeldein. Wir mussten über Brücken und einen Hügel hinauf, der sich als gefährlich rutschig herausstellt, als es zu regnen begann und wir ihn auf der anderen Seite wieder hinab mussten.

Wir folgten der Piste in ein schönes Tal, wo wir zum Mittag Rast einlegten. Kurze Zeit später verlief sich der Weg im Nichts und so kehrten wir wieder um, bis wir einer Furt durch einen Bach erreichten und folgten einem anderen Weg.

Dort begegneten uns 3 Motorradfahrer aus der Schweiz (Marcel, Christian und Hubert), die mit ihren Cross-Maschinen (Hondas) die Pisten und Hänge „entlang heizten“. In ihrer Begleitung war ein Jeep mit ortskundigen Mongolen, die uns bedeuteten ihnen zu folgen, dann kämen wir direkt zu den Quellen.

Wir waren einen riesigen Umweg gefahren und dankbar, diese Gruppe getroffen zu haben. An den Quellen angekommen, konnten wir das zweite Mal auf dieser Reise warm duschen und stiegen dann in die beiden Außen-Pools, in denen das 50-Grad-heiße Wasser aus den Quellen eingeleitet und auf angenehme 38 Grad abgekühlt wurde.

Da es wieder mit Regnen angefangen hatte, waren wir eine ganze Zeit lang alleine in den Becken. Eine Wohltat, für die sich unser Umweg gelohnt hatte.

Am Abend trafen wir die Schweizer in einer von außen gemauerten, aber von innen traditionell dekorierten Jurte, zu einem Bier wieder und waren froh, wieder einmal gute und lustige Gespräche auf Deutsch führen zu können.

Die Dolmetscherin der kleinen Reisegruppe organisierte uns noch einen Tisch und unser Abendessen, da man dazu normalerweise morgens vorbestellen muss.

Später luden wir die Schweizern zu uns auf einen „Absacker“ (Wodka mit Pfeffer, Himbeergeist, Whisky) in unseren Mercedes ein. Sie staunten nicht schlecht über die funktionale Ausstattung und den „kleinen Komfort“, den uns Hubert mit seinen Einbauten beschert hatte.

Am nächsten Morgen wollen wir das erste Stück mit ihnen gemeinsam fahren, bis sich unsere Wege dann trennen. Zwei der Männer werden mit mir im Flieger nach Moskau sitzen, der Dritte ist der Reiseorganisator, der seine 2. Gruppe am Flughafen in Ulaan Bataar in Empfang nehmen wird und noch bis Mitte August in der Mongolei bleibt. Die Männer schlafen in ihren gemieteten Jurten und wir im Camper. 


Aufbruch nach Karakorum

08.07.2013

Es war eine kalte Nacht, die schon gegen 08:00 Uhr zu Ende war, da wir uns für 09:00 Uhr zur Abfahrt verabredet hatten. Ein kurzes Frühstück und los ging´s. Nach gut 10 km und zweier Fluss-Durchfahrten trennten sich unsere Wege und wir verabschieden uns. 

Unsere Route geht weiter über „Tsenkher“ nach Karakorum, der alten Hauptstadt der Mongolei, unser nächstes großes Ziel. Erst fuhren wir etwa 25 km auf Pisten durch die Täler zurück zur Fernstraße und dann auf Asphaltstraße bis „Karakorum“.

Dieser Name bedeutet „schwarze Steine“, weil die Gegend viel schwarzen Basalt beherbergt. Die Stadt wurde im 8. Jhdt. gegründet und war zuerst als Waffenlager gedacht. Direkt neben dem noch heute existierenden Dorf „Kharkhorin“ wurde Karakorum noch unter Chingghis Khaan zur ersten Hauptstadt der Mongolei aufgebaut.

Sie war damals 2 km lang und 1,5 km breit und fast rechtwinklig angelegt. Heute gibt es nur noch einen Teil vom Kloster und ein paar vereinzelte Ruinensteine vor der Stadt irgendwo in einiger Entfernung.

Gegen Mittag waren wir da und sahen nördlich der Straße auf den Auen vor Fluss und Stadt mehrere Jurten, Fahnen, Pferde, Autos und viele Menschen – einfach ein buntes Treiben. Das ließ uns vermuten, dass hier einer dieser Vorausscheide zum großen „Nadaam“ in Ulaan Bataar stattfindet.

Genau das hatten wir ja gehofft. In Ulaan Bataar braucht man Karten und einen Guide, um an das Geschehen heran kommen zu können und überhaupt etwas zu sehen. Meine Vorfreude war nicht mehr zu bremsen.

Eigentlich waren wir Beide so müde, dass wir dringend Kaffee bzw. Tee brauchten, der Hunger kam auch schon wieder, aber andererseits wollten wir nichts verpassen.

Wir parkten in guter Lage, nahe beim Geschehen und liefen zur „Arena“. Die bestand aus mehreren, in kleinen Abständen aufgestellten Tribünen mit Schatten-/Regendach (für die Ältesten, Verdiente oder ehemalige Nadaam-Kämpfer). Dazwischen standen noch ein paar mehrstufige Sitzbänke für Zuschauer, der Rest der Menschen musste stehen.

Nach dem Mittag wurde das Fest mit Gesang, Kindertänzen, Akrobaten, einer Ansprache und einem Gedichtvortrag eröffnet. Zuerst begannen die Ringkämpfe, wobei die Kämpfer ausgelost wurden und es zu manchen ungleichen Paaren kam.

Im späteren Verlauf waren die Kämpfe ausgeglichener und wurden richtig spannend. Auch wenn es anders schien, sah man den Kämpfern danach die Anstrengung förmlich im Gesicht stehen.

Zwischendurch startete ein Wettreiten. Daran nehmen nur Kinder im Alter von 5 – 13 Jahren und auch nur auf Hengsten teil. Größere Kinder sind für die Pferde zu schwer und haben deshalb keine Chance auf den Sieg.

Das Rennen ist hart und es gab in der Vergangenheit schon schwere Stürze. Es geht 35 km durch die Steppe, durch Flüsse und Staub immer im Galopp. Dabei haben die meisten Kids nicht mal einen Sattel, nur Zaumzeug und Zügel.

Auf Grund der Erfahrungen aus der Vergangenheit werden die Reiter von Geländefahrzeugen und Kamera begleitet, teils um schnell eingreifen und teils um dokumentieren zu können. Über Funk werden die wartenden Verwandten auf dem Laufenden gehalten und Wetten abgeschlossen.

Sobald am Horizont Staubwolken aufziehen, strömen die Zuschauer zum Zieleinlauf. Die Kids kommen voller Staub und erschöpft im Ziel an. Ein Knirps ist sogar nach der Ziellinie in Zeitlupe vom Pferd gefallen.

Die Siegerehrung fand in der „Arena“ statt. Ein alter Pferdezüchter sang ein Loblied, dann trank er Ayrag (vergorene Stutenmilch) aus einer Schale. Jetzt mussten die Kids einen Schluck nehmen und etwas davon wurde über die Kruppe (Eine Stelle am Pferd kurz vor dem Sattel) der Sieger-Pferde gegossen.

Die fünf Sieger bekamen schließlich Geschenke und Medaillen für ihre Pferde. Unter den Siegern befand sich ein fünfjähriger Junge sowie ein kleines Mädchen. Alle Sieger-Kids waren jünger als 13 Jahre. Ihre Väter führten die Kinder anschließend stolz herum.

Wir wenden uns den Bogenschützen zu. Zuerst waren die Frauen dran. Sie schossen auf 3 Reihen, am Boden aufgestellter, kleiner Papprollen (So groß wie Toiletten-Papierrollen.) aber in 100 m Entfernung. Sie müssen das Ziel treffen, ohne dass der Pfeil zuvor den Boden berührt.

Mehrere Zuschauen haben versucht, diesen Bogen zu spannen, nur ganz wenige haben es überhaupt geschafft. Eine Frau traf von 3 Schüssen zweimal.

Die Männer mussten sogar aus 150 m Entfernung schießen. Auch hier schaffte es nur ein Schütze zweimal. Er war der Einzige, der seinen eigenen Bogen benutzte und die ganze Zeit hochkonzentriert war.

Eine Weile sahen wir noch den Ringern zu, dann liefen wir durch das gesamte Areal, was sich inzwischen in einen kleinen Jahrmarkt mit allerlei Händlern verwandelt hatte und bewunderten Trachten, Pferde sowie Reiter. 

Ziemlich KO von den vielen Eindrücken, wollten wir noch einmal beim „Karakorum-Museum“ (der einzigen kleinen WIFI-Zone) nach Emails schauen und nutzten die Gelegenheit eines Besuchs.

Es war ziemlich spannend, etwas über die Stadt und das erste Mongolenreich unter „Chingghis Khaan“ und seinen Nachfolgern zu erfahren. Hier lebten damals Mongolen, Chinesen, Türken und Christen friedlich nebeneinander. Jede Ethnie hatte in den Grenzen der Stadt ihren Distrikt mit ihren Kirchen und Klöstern.

Zwei sich kreuzende Hauptstraßen teilten die Stadt in Viertel ein, in einem standen die Paläste der Fürsten und der Königsverwandtschaft (Khaan = König). In einem anderen wurde Handel und Handwerk betrieben.

Im Osten lagen Äcker und Kanäle. Etwas abseits, aber noch innerhalb der Stadtmauern, stand die Klosteranlage „Erdene Zuu“, von der die umgebenden Mauern und ein heute noch genutzter Teil, gut erhalten ist. 

Es gab auch einen Silberbrunnen, aus dem 4 Flüssigkeiten geflossen sein sollen: Ayrag (= die vergorene Stutenmilch), Wein, Honig und Wasser. Eine Nachbildung steht heute in der Nähe des Museums. Leider fließt da nix raus, ein Schluck Wein wäre jetzt nicht schlecht.

Das es den Silberbrunnen gab, steht allerdings außer Frage: Es ist dokumentiert, dass ein damals berühmter flämischer Schmied damit beauftragt worden war und den Brunnen 1254 fertig stellte. Ob die Sache mit den 4 Flüssigkeiten stimmt, kann man nicht sagen, es soll jedoch der Auftrag des damaligen Khaans gewesen sein, um den Wohlstand der Stadt zu demonstrieren.

An der Erbauung und Gestaltung der Paläste waren im Laufe der Zeit überhaupt mehrere Europäer und Chinesen, die für ihr Handwerksgeschick überall in der damaligen Welt bekannt waren, beteiligt. Das Museum ist definitiv einen Besuch wert.

Ein anschließender Bummel durch die winzigen Andenken-Shops bescherte uns endlich Ansichts-Karten und Briefmarken, sowie einige Mitbringsel und eine Post. Da auf dem Parkplatz am Museum Ruhe war, legten wir hier unsere Übernachtungsrast ein. 

09.07.2013

Huberts Freund (Tom) und seine Frau (Ina) hatten uns gemailt, dass sie nach Kharkhorin/Karakorum kommen und uns treffen wollen. Wir schlugen ihnen den Museumsparkplatz als Treffpunkt vor. Bis dahin „verkrümelten“ wir uns an den Fluss.

Hubert konnte wieder ein paar Sachen am Auto richten bzw. überprüfen. Ich schrieb unsere Karten und kochte uns Mittag. Danach war endlich wieder einmal sonnen angesagt, denn die letzten zwei Tage war das Wetter so wechselhaft, windig und teilweise verregnet, dass dies nicht möglich war.

Gegen 17:30 Uhr kamen Tom und Ina an, besuchten das Museum und anschließend fuhren wir zusammen zum Fluss. Tom kochte uns eine Lauchsuppe, Hubert sammelte Holz für ein Lagerfeuer und baute alles zum „Draußen-Essen“ auf. Wir Frauen schnipselten Gemüse für einen Salat und deckten den Tisch. Es wurde ein feucht-fröhlicher Abend am Lagerfeuer, den wir erst beendeten, als das Holz verbrannt und wir ziemlich am Frieren waren.


Besuch im Kloster Erdene Zuu

10.07.2013

Heute gehen wir Vier ins Kloster „Erdene Zuu“ . Wir sind schon gespannt, denn die Tempel-Anlage ist deutlich größer als die in Tsertseleg. Fast drei Stunden schauten wir uns das Gelände, die verschiedenen Tempel, (Wand-) Seidenteppiche, uralte Wandmalereien, Buddhas sowie Gebrauchsgegenstände an.

Alles zeugt heute noch von dem Leben damals, was teilweise auch noch unverändert traditionell weitergeführt wird. Unter den Kochtöpfen waren einige so groß, dass man darin Suppe für 300 Mönche kochen konnte. Das war auch nötig, denn über eine lange Zeit lebten im Kloster durchschnittlich 10.000 Mönche.

Wir wurden Zeugen der täglichen Gebets- und Studiertätigkeit der Mönche. Die Buddhisten sind da ziemlich offen und lassen sich auch gar nicht stören, wenn man sie beobachtet und andächtig ihre Gebetsräume betritt. Nur fotografieren und Handynutzung ist darin verboten.

Ich legte auch einen Gebetsweg im Uhrzeigersinn zurück, und drehte dabei jede einzelne Gebetsmühle. Leider kenne ich nicht die dazugehörigen Gebete. Man kann sich das aber so vorstellen, als wenn Christen einen Rosenkranz beten, nur hört man bei den Buddhisten kein „Gemurmel“.

Vom Kloster aus liefen wir ca. 200 m zu einer, von ehemals vier, Granit-Schildkröten, die früher Stehlen auf ihrem Rücken trugen, in denen Inschriften eingemeißelt waren, die auf das Areal der ersten Hauptstadt der Mongolei hinwiesen. Heute gibt es nur noch zwei dieser Schildkröten, die Zweite steht in etwa 4 km Entfernung vom Kloster.

Ende der 1930-er Jahre wurde auch hier ein Großteil des Klosters dem Erdboden gleich gemacht, wie auch schon in Tsertseleg und an anderer Stelle im Land. Die Stadt selber wurde über die Jahrhunderte durch Kriege zerstört.

Damals war alles von einer Mauer umgeben, auf der unzählige „Stupas“ (= kleine Türmchen) aufgereiht waren, die hier auch jede andere Klostermauer und zahlreiche Tempel schmücken.

Manch Tempel-Stupa ist sogar mit Blattgold belegt. Man versuchte vielerorts die Zahl 108 bei den Stupa´s zu erreichen, da dies dem Glauben nach eine Glückszahl ist.

Nach der Besichtigung hatten wir Hunger und kehrten in einem kleinen Imbiss zum Mittag ein. Hier gibt es kein Fastfood, alles wird frisch zubereitet.

Das anschließende Schläfchen am Fluss tat uns allen gut und so konnten wir am späten Nachmittag voller Energie Boggia mit Huberts Fluss-Steinen spielen.

Ein alter einheimischer Ziegen- und Schafhirte besuchte uns zwischendurch und seine „Ablösung“ (wahrscheinlich sein Sohn) versuchte sich sogar beim Spielen.

Leider dachte dieser, dass die Wurfsteine den Zielstein zerschmettern müssen. Was ihm auch gleich beim ersten Wurf gelang. Nach einer kurzen Erklärung in Zeichensprache verstand er, dass es nur um den geringsten Abstand zum Zielstein geht und schmunzelte ziemlich verlegen über seinen Irrtum .

Am Abend sind wir mit Tom und Ina „gut Essen“ gegangen. Das Restaurant befand sich in einer schön geschmückten Jurte eines Camps nahe der Silberbrunnen-Kopie.

Das Essen war lecker, der Service gut und der Preis akzeptabel. Dann noch ein paar Wodka-Orange und gute Gespräche bei Musik in unserem Mercedes und schon war wieder ein Tag vorüber.


Das letzte Ziel unserer Reise – Ulaan Bataar

11.07.2013

Nach einer weiteren Nacht am Fluss, einem letzten gemeinsamen Frühstück und ein paar Fotos, müssen wir uns auf den Weg nach Ulaan Bataar machen, denn morgen früh geht mein Flieger zurück nach Deutschland.

Tom und Ina fahren eine ähnliche Strecke Richtung Russland zurück, wie wir sie durch die Mongolei gekommen waren. Hubert und ich freuen uns auf die letzten Stunden alleine, eine angekündigte Asphaltstraße und die Sanddünen der Gobi. Die Gobi ist groß, aber der Teil der Wüste, den tatsächlich Sanddünen ausmachen, ist eher gering (ca. 10 %).

Unser Weg durch die Mongolei führte uns schon durch eine Minisandwüste auf dem ersten Teil der Nordroute (Auf Höhe Stuttgart!), durch eine Geröllwüste im Nordwesten, durch Halbwüste und Steppe auf unserem langen Weg ostwärts, weiter durch sandiges Grasland wieder nordöstlich und nun an Sanddünen vorbei in Richtung Ulaan Bataar.

Wir hielten an. Noch bevor wir richtig geparkt hatten, standen zwei Kameltreiber vor der Autotür und boten uns einen Ritt durch die Dünen an. Da Hubert Rocky an der Leine hatte und Fotos machen wollte, nahm nur ich das Angebot an. Der Auf- und Abstieg war schauklig. Ich fand das sehr lustig. Der geführte Ritt durch den heißen Sand war angenehm.

Nach einer Weile ließ ich mich absetzen, weil ich mit Hubert noch über die Dünen laufen und den Blick genießen wollte. Rocky bekam bei unserem Spaziergang heiße Pfoten und nahm jede Gelegenheit war, diese im noch so kleinen Schattenstück der wenigen Büsche zu kühlen.

Irgendwann ging´s zurück zum Auto. Nach einem kleinen Mittagsimbiss nahmen wir unsere Fahrt Richtung neuer Hauptstadt wieder auf. Insgesamt mussten wir heute schließlich gute 360 km absolvieren. Gott-sei-Dank den Großteil davon auf Asphaltstraßen.

Reichlich 100 km begleiteten uns noch die Sanddünen im Osten unserer Route. Hier wirkt alles grenzenlos, groß oder lang. Es gibt genug Luft zum Atmen, die Blicke sind weit, ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit ist allgegenwärtig, die Zeit scheint unwichtig und endlos verfügbar zu sein.

Umso näher wir der Hauptstadt kamen, umso eher sahen wir stellenweise größere Äcker. Irgendwann stehen parkende Autos am Straßenrand und wir sehen westlich der Straße eine Staubwolke – das Pferderennen des großen Nadaam von „Ulaan Bataar“ war in vollem Gange.

Wir fahren parallel dazu Rtg. Stadt. Die Reiter halten sich später weiter westlich und so können wir leider keinen Zieleinlauf entdecken. Dann sind wir da.

Die Stadt ist 30 km lang, aber nicht so breit. Sie ist noch nicht lange eine Millionenstadt mit festen Häusern und vielen Hochhäusern. Sie hat zwei große parallel verlaufende Straßen, die über eine Brücke quer dazu verbunden sind.

Das ist das „Nadelöhr“ der Stadt, dort staut sich alles. Eine gute Stunde sind wir unterwegs, bis wir am Hauptplatz im Centrum ankommen. Wir parken in der ersten Seitenstraße und schauen uns die Stadtmitte an. 

In einem Irisch Pub essen wir ein letztes Mal und zur Feier des Tages auch richtig gut zu Abend. Hier gibt es freies Internet und Hubert sendet einige Mails ab. Seine Zwillingsschwestern hatten Geburtstag und sein Schwager einen Herzinfarkt, dass hat uns ziemlich erschüttert, denn er ist in Huberts Alter und sollte doch noch „fit wie ein Turnschuh“ sein. 

Nach dem Essen fahren wir zum Airport raus. Wir wollen auf dem Parkplatz übernachten, da mein Flieger 07:10 Uhr in der Früh geht und ich spätestens 05:30 Uhr einchecken muss.

Hubert setzt Wasser auf und macht die Handdusche über einen Kanister fertig. Ich schneide ihm ein letztes Mal Haare, damit er in den nächsten Wochen nicht zuwuchert.

Dann ist das Warmwasser fertig und wir können Haare waschen und uns den Staub von den Gliedern schruppen. Noch ein Bier und ein paar gute Gespräche beim Beieinander-Kuscheln, bevor wir endlich einschlafen können.

Es wird für mich eine unruhige und für uns Beide eine kurze Nacht. Ein trauriger Abschied liegt in der Luft.


Abschied und Wiedersehen

12.07.2013

Ich wecke Hubert, denn ich bin schon seit 04:00 Uhr wach. Er macht für uns Kaffee und Tee, während ich den Rest meiner Sachen im Koffer verstaue. Essen können wir Beide nichts. Uns ist flau im Magen. Wir waren 6,5 Wochen 24 Stunden am Tag zusammen, haben über 10.000 km zurückgelegt, alle Erlebnisse und Eindrücke geteilt und sollen jetzt wieder ganz anders weiter machen – das erscheint definitiv unwirklich.

Dann check ich ein. Hubert hat mir den Trolli noch mit einem Gurt verzurrt, so kann er nicht aufreißen und ich kann ihn auf den Transport-Fließbändern leichter wiedererkennen. Gleich nach dem einchecken verabschieden wir uns voneinander. Wir mögen Beide keine Abschiede.

Hubert will auch versuchen schnell aus der Stadt zu kommen, bis der große Verkehr wiedereinsetzt, denn das Fest geht noch zwei Tage weiter und ich warte auf den Abflug nach Moskau.

7 Stunden dauert der erste Flug. Zwei „alte Schweden“ sitzen neben mir und versuchen mich von meiner Traurigkeit abzulenken. Sie scheint mir ins Gesicht geschrieben. Irgendwann bin ich so KO, dass ich einschlafe. Aber nur kurz, denn es ist so kalt und dann werde ich mit Kaffee vom Steward geweckt.

Gegen 10:15 Uhr (Moskauer Zeit) landen wir am Moskauer Flughafen. Ich muss erst 11:30 Uhr wieder einchecken und mein Flug startet um 12:10 Uhr nach Stuttgart. So hab ich Zeit einen richtigen Bohnenkaffee zu trinken, meinen Mädels eine SMS zu schreiben und mich ein bisschen umzusehen. Schließlich geht es erneut los.

Dieser Flug dauert 3 Stunden und doch bin ich 13:30 Uhr schon in Stuttgart – witzig. Da ich keine Lust auf Gespräche habe, lassen mich meine beiden deutschen Sitznachbarn glücklicherweise in Ruhe.

Jetzt freu ich mich, endlich Marie wieder zu sehen. Sie und Nadin haben mir ganz schön gefehlt, die vielen Eindrücke haben mich davon immer abgelenkt, dass wird mir gerade richtig klar.

Die Abfertigung geht relativ fix und so komm ich raus und höre ein „Mama“ unter Freudentränen von Marie. Ich muss auch weinen, es ist eine rührende Stimmung und wir liegen uns lange in den Armen. Mimi – Maries Hund – kann sich auch kaum beruhigen und hätte fast noch eine Frau umgerannt.

Irgendwann gehen Marie, Mimi und ich zum Auto und beginnen uns während der Heimreise über unsere Erlebnisse auszutauschen. Bis in den späten Abend „ratschen“ wir noch, obwohl ich todmüde bin.

Zwischendurch kocht Marie uns Lasagne und ich zeig ihr schon mal einen Teil der vielen Fotos. Dann können wir nicht mehr. Jetzt wäre es in Ulaan Bataar 04:00 Uhr am nächsten Morgen und ich bin schon seit 24 Stunden auf den Beinen. Wir sollten endlich schlafen.

Liebe braucht man nicht hervorzurufen. Sie ist einfach da und kann wahrgenommen werden. Dies gelingt jedoch nur, wenn Deine Wahrnehmung sich auch tatsächlich auf dieses Gefühl richtet. 

Durch Deine Angst richtet sich Deine Wahrnehmung auf alles, was schief gehen könnte. Du empfindest immer die Gefühle, auf die sich Deine Wahrnehmung richtet.

(Bodo Deletz)

Die Reise ist vorbei. Es war nicht nur eine Reise durch mehrere Länder mit ihren verschiedenen Lebensweisen, sondern auch eine Reise zu mir, zu mehr innerer Ruhe. Hoffentlich kann ich mir diese eine Weile bewahren – das wäre schön!

In Liebe leben, heißt das Leben wirklich leben, 
und wirklich leben heißt in Liebe leben.
Für mich ist das Leben ein Geschenk Gottes. 
Wie Du Dein Leben gestaltest, ist Dein Geschenk für Gott. 
Sorge dafür, dass es ein phantastisches Geschenk wird.

(Leo Buscaglia)


Ich hoffe diese Reise konnte auch Dich inspirieren, auch mal etwas Neues zu wagen. Wenn nicht, dann mach Dir selbst noch ein bisschen Mut. Viel Spaß:

Vertraue auf Dich

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